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Die Wegwarte …

- mein langer Weg zu einer tiefen Freundschaft

Im Sommer 1994 war ich einige  Monate in Thüringen zu Kartierungsarbeiten. Mehrere Nachmittage hintereinander parkte ich mein Auto immer an der gleichen Stelle, um von dort aus ins Gelände zu gehen. Dann waren die Arbeiten so weit erledigt, ich  musste nur noch etwas überprüfen und ging deshalb am letzten Tag frühmorgens noch einmal dorthin.

Wie verändert hier alles aussah! Ja,  fast hätte ich den Platz nicht wieder erkannt. Die ganze Fläche leuchtete blau von unzähligen Wegwartenblüten. Die Tage zuvor, an denen ich nachmittags dort war, hatte ich die sparrig-zähen Stängel mit ihren verwelkten Blüten nie wahrgenommen. Aber nun am frühen Vormittag zeigte sich die Pflanze in ihrer ganzen herrlichen Pracht. Staunend stand ich eine ganze Weile vor diesem Wunder und konnte meinen Blick kaum lösen.

Ja, sie ist ganz Sommerpflanze, von Juli bis September, oft bis in den Oktober hinein, wartet sie wirklich an fast jedem Weg, auf Weiden oder Brachflächen und erfreut uns mit ihrem strahlend klaren Blau. Einer alten deutschen Sage nach, ist die Wegwarte eine verwandelte Prinzessin, die mit ihren Zofen am Wegesrand auf ihren untreuen Liebsten wartet, Tag für Tag.

Sie ist die wilde Schwester von Radicchio-, Endivien- und Chicoreesalat, die mit ihrem leicht bitteren Geschmack noch ein wenig an die Wegwarte erinnern. Doch gerade die Bitterstoffe machen sie zu einem hervorragenden Tee bei Verdauungsbeschwerden und zum unentbehrlichen Gemüse für die Frühjahrskur. Aus ihren Wurzeln wird seit Altersher ein Kaffeeersatz hergestellt, der auch heute noch geschätzter Bestandteil von Getreidekaffees ist. Meinen eigenen „Wurzelkaffee“ sammele ich  mir im Herbst aus Wegwarten- und Löwenzahnwurzeln. Seinen bitter-erdigen Röstgeschmack möchte ich nicht mehr missen.

Gehen wir noch einen Schritt näher und sehen uns die blauen Blüten  genauer an: unstete, emsige Besucherinnen sind hier am Werk: Hosenbienen, die mit ihren charakteristischen dichten Haarbürsten an den Hinterbeinen, den Pollen der Wegwarteblüten  sammeln.  

Auch mit ihnen verbinde ich ein besonderes Erlebnis vor  rund 15 Jahren an sandigen Wegen um den Carwitzer See. Hier habe ich die innige Verbindung zwischen Wegwartenschänken und Hosenbienen das erste Mal erlebt.  Aber das ist eine andere Geschichte ...

 

 

 

 

 

 

 

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